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Vorwort von Dieter Klaus Glasmann
Ziemlich exakt ein Jahr ist das CanG nun in Kraft. Von den ersten Entwürfen bis hin zur aktuellen, gültigen Fassung ist das Gesetz immer wieder Ziel teilweise harscher Kritik. Auch viele Befürworter der Reform gehen mit dem CanG hart ins Gericht und beschreiben es als über-bürokratisiertes und realitätsfernes Flickwerk. Trotz allem will die Gemeinschaft der Cannabiskonsumenten und Hanffreunde die Reform sicher nicht rückgängig machen.
Nach diesem einen Jahr Cannabisentkriminalisierung kann man jetzt die eine Zwischenbilanz und ein erstes Fazit über den Erfolg des CanG ziehen. Genau das hat Jürgen Bickel, Gründer und Geschäftsführer der Storz & Bickel GmbH, Marktführer in der Herstellung von Qualitätsvaporizern, getan. Im Folgenden wollen wir jetzt sein Statement in seinem eigenen Wortlaut wiedergeben.

Ein Jahr CanG – Persönliches Statement von Jürgen Bickel: Warum das Gesetz ein Erfolg ist
Vor genau einem Jahr trat das Cannabisgesetz (CanG) in Kraft – Seitdem wird es hitzig diskutiert, oft polemisch kritisiert, aber selten sachlich bewertet. Ich möchte deshalb heute eine klare, faktenbasierte Bilanz ziehen – aus Sicht eines Branchenpioniers, eines langjährigen Befürworters einer rationalen Cannabispolitik und eines Bürgers, der an Fortschritt glaubt: Das CanG ist ein voller Erfolg.
Selten wurde ein Gesetz so unterschätzt. In seiner Entstehung war das CanG durch zahlreiche äußere Faktoren wie das UN-Drogenübereinkommen von 1961 und weiteren EU-Vorgaben stark eingeengt. Nicht zuletzt musste auch der konservative Teil der SPD sowie der Bundesrat überzeugt werden. Unter diesen Bedingungen ist das Ergebnis bemerkenswert. Es ist ein echter Paradigmenwechsel – und ein exzellentes Beispiel dafür, wie mutige Politik auch in einem komplexen rechtlichen und politischen Umfeld möglich ist.
Der wichtigste Fortschritt des CanG ist die Herausnahme von Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz. Dieser Schritt hat Geschichte geschrieben und einen Wendepunkt markiert: Für Patienti:nnen wurde der Zugang zu Medizinalcannabis deutlich vereinfacht. Die Menge der importierten Medizinalblüten stieg von 32 auf 72 Tonnen – eine massive Verbesserung für viele, die zuvor auf den Schwarzmarkt angewiesen waren.
Gleichzeitig wurden durch die Entkriminalisierung über 100.000 Strafverfahren wegen reiner Besitzdelikte vermieden. Das bedeutet nicht nur eine riesige Entlastung für Polizei und Justiz – sondern auch mehr Menschlichkeit, mehr Verhältnismäßigkeit und mehr Freiheit. Während Polizeigewerkschaften pauschal von Mehrbelastung sprechen, zeigen die Zahlen das Gegenteil: Die Polizei wurde spürbar entlastet – während neue Aufgaben wie die Kontrolle der Konsumabstandsregelungen zumeist gar nicht in ihre Zuständigkeit fallen.
Auch der viel zitierte Schwarzmarkt wurde wirksam zurückgedrängt: durch einen Boom beim Eigenanbau, durch die Versorgung über Medizinalcannabis und künftig auch durch die Anbauvereinigungen, von denen bereits über 130 genehmigt wurden. Repräsentativen Studien zufolge bauen inzwischen über 10 % der Bevölkerung selbst Cannabis an. Auch wirtschaftlich entwickelt sich die Cannabisbranche zunehmend zu einem attraktiven Arbeitgeber und bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Tausende Arbeitsplätze entstehen im Anbau, Verarbeitung, Vertrieb, Forschung und Handel – eine ganze Branche boomt.
Allein in Berlin findet im Juni die weltweit größte Fachmesse der Cannabisbranche statt, mit über 500 Ausstellern und mehr als 60.000 Besucherinnen und Besuchern. Alles legale Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen und Verantwortung übernehmen. So sieht die erfolgreiche Zurückdrängung des Schwarzmarkts in der Realität aus.
Das ist gelebte Legalisierung und ein direkter Entzug von Marktanteilen für kriminelle Strukturen. Das Gesetz ist jung. Viele Anbauvereinigungen haben gerade erst ihre Genehmigung erhalten. Es ist schlicht unseriös, jetzt schon ein Urteil über ihre Wirksamkeit zu fällen – genau deshalb ist eine Evaluation gesetzlich vorgesehen, die sorgfältig durchgeführt werden sollte, bevor neue Forderungen gestellt werden. Bereits jetzt sind die positiven Einflüsse der Präventionsberater, die in den Anbauvereinigungen vorgesehen sind, zu erkennen. Es wurden zahlreiche sehr gute und neue Präventionsansätze erarbeitet. Die Aufklärung zum sicheren Konsum und verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis im Rahmen des Jugendschutzes ist entscheidend und kann nur am Ort der Abgabe effektiv umgesetzt werden.