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Dass Hanf eine ganze Reihe medizinischer Potenziale aufweist, dürfte in kleinen Schritten allmählich in der breiten Masse angekommen sein. Es gibt unzählige Studien, die beweisen konnten, dass Cannabis zu einer erheblichen Linderung von schweren chronischen Erkrankungen beitragen kann.
Dennoch ist diese Pflanze selbst für medizinische Zwecke in Österreich bis heute nicht erhältlich. Der Grund ist eine seit über 100 Jahren anhaltende mediale Propaganda, die nichts mit der Gefährlichkeit der Pflanze zu tun hat, sondern lediglich auf ideologischen und wirtschaftlichen Hintergründen basiert. Es gibt ein gewisses Schlupfloch, wie man in Österreich dennoch THC für medizinische Zwecke erhalten kann, nämlich über Fertigarzneimittel wie Dronabinol. Der Weg dahin ist jedoch oft mühsam, das Medikament ist sehr teuer und die Kostenübernahme der Krankenkasse ist bei Weitem nicht garantiert.
Der steinige Weg bis zur Verschreibung
Grundsätzlich ist Dronabinol über ein Suchtmittelrezept verschreibungsfähig, wenn eine entsprechende medizinische Indikation vorliegt. Es ist rechtlich auch ohne Ausnahmegenehmigung erhältlich. Doch genau an dieser medizinischen Indikation liegt auch der Knackpunkt. Dronabinol wird oftmals erst in sehr weit fortgeschrittenen Stadien schwerer Erkrankungen verschrieben, wenn man austherapiert ist, wenn also alle anderen Therapien nachweislich nicht wirken. Es ist eine Art letzte Option. In der Rechtssprechung wird dies häufig so ausgelegt, dass Suchtmittel eine so hohe Gefahr darstellen, dass sie nur die letzte Option sein können. Man übersieht jedoch hier die Tatsache, dass die meisten vergleichsweise einfach erhältlichen Medikamente wie Opiate oder Benzodiazepine, die ebenfalls zur Symptomlinderung zum Einsatz kommen, ein erheblich höheres Suchtrisiko bergen.
Im Vergleich zu der Härte, mit der hochpotente Opiate abhängig machen, kann man sagen, dass selbst bei jahrelangem Dauerkonsum von THC praktisch gar keine Suchtentwicklung auftritt. Wohlgemerkt, Opiate und Benzodiazepine sind unverzichtbare Arzneimittel. Ohne Opiate währen Operationen nicht durchführbar. Die essenzielle Wichtigkeit dieser Substanzen darf an dieser Stelle keinesfalls in Abrede gestellt werden. Dieser Vergleich soll lediglich aufzeigen, dass die Erhältlichkeit eines Arzneimittels zur Symptomlinderung nichts mit seiner objektiven Gefährlichkeit zu tun hat. Wäre das so, dann wären auch Schmerzmittel wie Paracetamol, mit denen man sich im Gegensatz zu THC tatsächlich tödlich vergiften kann, nicht rezeptfrei für Minderjährige in der Apotheke erhältlich. Das Problem ist, dass Dronabinol häufig dargestellt wird als eine Art letzter Ausweg. Das ist einfach falsch.
Laut aktuellen Zahlen von 2024 leben in Österreich aktuell 400.000 Menschen mit Krebs. Pro Jahr kommt es zu etwa 45.000 Neuerkrankungen. THC würde den meisten dieser Patienten zur Symptomlinderung helfen, tatsächlich erhält aber nur ein kleiner Teil von ihnen dieses Medikament. Sieht man sich das Wirkungsspektrum von THC an, dann sollte dieses nicht der letzte Ausweg, sondern vielmehr Bestandteil der Standardmedikation bei Krebs sein. Ähnlich verhält es sich mit anderen schweren Erkrankungen wie Multiple Sklerose und verschiedenen weiteren chronischen Erkrankungen, deren Symptome nachweislich mit Cannabis gelindert werden können. Bis man einen Arzt gefunden hat, der Dronabinol verschreibt und der gesundheitliche Zustand sozusagen „ausreichend schlecht“ ist, kann viel Zeit vergehen. Das alles geht zum Leid des Patienten.
Hohe Kosten durch menschengemachten Unsinn
Das nächste gravierende Problem, welches im Zusammenhang mit Dronabinol auftritt, sind die hohen Kosten. Je nach benötigter Dosis kann man davon ausgehen, dass eine Therapie monatlich bis zu 600 € kostet. Der Grund für diesen hohen Preis liegt in seiner Herstellung begründet. Bei Dronabinol handelt es sich um THC in pharmakologischer Reinform. Dieses wird im Ausland entweder aus Hanf extrahiert oder halbsynthetisch hergestellt und nach Österreich importiert. Die Herstellung ist mit erheblichen Kosten verbunden, die jedoch vom Menschen und der Politik selbst gemacht sind.
Dieses Beispiel zeigt die Absurdität der Umwege auf, die gegangen werden müssen, weil eine Pflanze verboten ist. Die Kostenübernahme der Krankenkasse ist keineswegs gewiss. Auch hier gilt der Grundsatz, dass die Indikation schwer genug sein muss und andere Therapien nachweislich nicht helfen. Das Ganze ist ein absurder Rechtsstreit, der am Rücken der Patienten ausgetragen wird. Wäre wenigstens für Patienten der Anbau von Cannabis legal, würde nur ein kleiner Bruchteil der Kosten entstehen.
Untragbare Situation für viele Schwerstkranke
Die genannten Beispiele zeigen auf, in welcher vollkommen absurden und rein menschengemachten Situation man sich hier befindet. Weil eine Heilpflanze aus ideologischen Gründen verboten ist, muss über Umwege ein Imitat davon importiert werden, welches dann unter dem Dogma eines gefährlichen Suchtgiftes nur in seltenen Fällen abgegeben wird. Der Leidtragende ist am Ende der Patient, der einen steinigen Weg gehen muss, um eine überteuerte Medizin zu erhalten. Derzeit ist in Österreich nicht absehbar, dass sich beim Thema medizinisches Cannabis etwas verbessern wird.
Auf der offiziellen Seite des Parlaments findet sich an mehreren Stellen die Aussage, dass das Wissen über die Wirkung von Cannabinoiden noch lückenhaft ist und es keine Beweise gäbe, dass Cannabisblüten die bessere Option wären. Das stimmt so nicht. Hanf ist die wahrscheinlich am gründlichsten erforschte Pflanze überhaupt. Mehrere Jahrtausende praktische Erfahrung damit sollten ausreichen, um zu wissen, gegen welche Beschwerden die Pflanze wirksam ist.